Ständig wachsende Bücherstapel auf dem Nachttisch, die im Portemonnaie ein tiefes Loch hinterlassen? Das muss im Jahr 2026 nicht mehr sein. Doch während Ebook-Flatrates und digitale Leihmodelle versprechen, das „Netflix für Bücher“ zu sein, zeigt unser Test: Nicht jedes Abo hält, was das Marketing verspricht. Wir haben die wichtigsten Anbieter von Kindle Unlimited bis zur Onleihe kritisch unter die Lupe genommen.
Wer viel liest, kommt an der Frage „Kaufen oder Leihen?“ nicht mehr vorbei. Die Preise für digitale Einzeltitel sind 2026 auf einem Rekordhoch, was auch die aktuellen Marktdaten des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels widerspiegeln: Ebooks sind längst kein „Billigprodukt“ mehr, sondern ziehen preislich mit Printausgaben gleich.
Abo-Modelle mit Millionen Titeln locken als günstige Alternative. Doch Vorsicht: „Unbegrenzt“ bedeutet oft nicht, dass du auch die neuesten Bestseller lesen darfst. Oft landest du in einer Welt aus Self-Publisher-Romanen und veralteten Sachbüchern. In diesem Ratgeber erfährst du, welcher Dienst für dein Leseverhalten wirklich sinnvoll ist – und wo du nur unnötig Geld verbrennst.
Ebook-Anbieter 2026: Der große Vergleich
Hier findest du die harten Fakten unserer Analyse. Wir haben Preis, Auswahl und Geräte-Kompatibilität gegenübergestellt.
| Anbieter | Preis (mtl.) | Auswahl (ca.) | Besonderheit | Hardware | Link |
| Onleihe | ~10–30 € / Jahr | > 600.000 | Fast kostenlos via Bibliothek | Fast alle (außer Kindle) | Zur Onleihe |
| Kindle Unlimited | 11,75 € | > 4 Mio. | Riesige Indie-Auswahl | Kindle, App | Zu Amazon |
| Skoobe | 12,99–19,99 € | > 500.000 | Starke dt. Verlage | Tolino, App | Zu Skoobe |
| Nextory | 9,99–19,99 € | > 1,4 Mio. | Zeitbasiertes Modell (Std.) | App | Zu Nextory |
| Legimi | ~13,99 € | > 500.000 | Inkl. E-Reader-Option | Tolino, Pocketbook, App | Zu Legimi |
| Tolino Select | 9,90 € | 4 aus 40 | Kuratiert, keine Flatrate | Tolino, App | Zu Thalia |
| Everand | ~11,50 € ($11.99) | > 1 Mio. | International & Zeitschriften | App | Zu Everand |
| Readfy | Gratis / Miete | > 200.000 | Werbefinanziert | Nur App (Smartphone) | Zu Readfy |
Die Anbieter im Porträt: Licht und Schatten
Onleihe: Der Preis-Leistungs-König mit Macken
Die Onleihe bleibt auch 2026 die erste Anlaufstelle für Preisbewusste. Für eine geringe Jahresgebühr deiner örtlichen Bibliothek bekommst du Zugriff auf aktuelle Bestseller und Magazine. Kritisch sehen wir jedoch die künstliche Verknappung: Wie bei physischen Büchern gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Lizenzen – Wartezeiten von mehreren Monaten bei Top-Titeln sind keine Seltenheit. Zudem ist die App-Stabilität auch nach Jahren der Entwicklung immer noch ein wunder Punkt. Wer Geduld hat, spart hier am meisten, muss aber mit einer oft sperrigen Bedienung leben.
Kindle Unlimited: Die Masse macht’s (nicht immer)
Amazon dominiert den Markt, aber Quantität ist hier nicht gleich Qualität. Seit der Preiserhöhung auf 11,75 € ist der Dienst kein Selbstläufer mehr. Kindle Unlimited ist ein Paradies für Fans von Romance, Sci-Fi und Krimis aus dem Self-Publishing-Sektor. Wer jedoch die großen literarischen Highlights oder Fachbücher namhafter Verlage sucht, wird oft enttäuscht, da viele Publikumsverlage den Dienst meiden. Positiv ist die perfekte Integration in das Kindle-Ökosystem. Ein kritischer Blick auf das Leseverhalten ist hier Pflicht: Liest du wirklich drei bis vier Indie-Romane im Monat, damit sich die Gebühr rechnet?
Skoobe: Der Favorit für Qualitäts-Leser
Skoobe, das Gemeinschaftsprojekt großer deutscher Verlage, punktet 2026 weiterhin mit der hochwertigsten Auswahl an aktuellen deutschsprachigen Titeln. Die Integration auf den Tolino-E-Readern funktioniert mittlerweile reibungslos, allerdings erst in den teureren Tarifen ab 12,99 €. Das ist auch unser größter Kritikpunkt: Die Preisstaffelung ist unübersichtlich. Wer auf einem E-Reader statt nur auf dem Tablet lesen will, zahlt ordentlich drauf. Für anspruchsvolle Leser, die Wert auf Verlagstitel legen, bleibt Skoobe dennoch die beste, wenn auch teuerste Wahl.
Nextory: Das skandinavische Kombi-Paket
Nextory versucht den Spagat zwischen Ebook und Hörbuch mit über 1,4 Millionen Titeln. Das Modell ist flexibel, aber die Tarife sind 2026 strikt nach Nutzungsstunden begrenzt (z. B. 25 Std. im Basic-Abo), was für echte „Bücherwürmer“ zur Kostenfalle werden kann. Die Auswahl ist solide, reicht aber nicht ganz an die Tiefe von Skoobe heran. Besonders kritisch bewerten wir die App-Exklusivität: Wer ein klassisches E-Ink-Leseerlebnis sucht, schaut bei Nextory in die Röhre, da der Dienst primär auf Smartphones und Tablets ausgelegt ist. Ein klassischer Fall von „bequem, aber mit Kompromissen beim Sehkomfort“.
Legimi: Die flexible Alternative
Legimi hat sich als starker Konkurrent etabliert, besonders durch das Modell, bei dem man ein Abonnement inklusive Hardware (E-Reader) abschließen kann. Die Auswahl ist international und breit gefächert, die App bietet zahlreiche Anpassungsmöglichkeiten. Kritisch anzumerken ist jedoch die teilweise unübersichtliche Katalogführung, in der man sich zwischen verschiedenen Sprachversionen verlieren kann. Für Nutzer von Pocketbook oder Tolino ist Legimi eine interessante Alternative zu den Platzhirschen. Man sollte jedoch genau nachrechnen, ob sich das Bundle mit Hardware über die Laufzeit wirklich lohnt.
Tolino Select: Ein Abo für Unentschlossene?
Tolino Select ist kein echtes Flatrate-Modell, sondern eher ein kuratierter Club für 9,90 € im Monat. Du darfst dir monatlich vier Titel aus einer Auswahl von nur 40 Büchern aussuchen. Das ist im Vergleich zur Konkurrenz fast schon lächerlich wenig und bietet kaum echte Freiheit. Der Vorteil: Die Titel sind handverlesen und oft qualitativ hochwertig. Dennoch wirkt das Konzept im Jahr 2026 veraltet. Wer mehr als ein Buch pro Woche liest, wird hier bevormundet und sollte lieber zu einem echten Flatrate-Anbieter greifen.
Everand (ehemals Scribd): Global, aber eingeschränkt
Everand ist die Wahl für alle, die gerne über den deutschen Tellerrand hinausblicken. Die Auswahl an englischsprachiger Literatur und Fachzeitschriften ist ungeschlagen. Doch Vorsicht: Everand wirbt mit „unbegrenztem“ Lesen, drosselt aber im Hintergrund den Zugriff auf populäre Titel, wenn du in einem Monat „zu viel“ konsumierst. Diese mangelnde Transparenz führt bei Power-Usern regelmäßig zu Frust. Wer nur gelegentlich reinschaut und gerne Originalfassungen oder Noten sucht, ist hier dennoch gut aufgehoben.
Readfy: Lesen gegen Aufmerksamkeit
Readfy bleibt die einzige Option für alle, die absolut kein Geld ausgeben wollen. Das Modell: Du liest kostenlos, wirst aber permanent durch Werbeeinblendungen unterbrochen. Im Jahr 2026 ist die Werbung aggressiver denn je, was den Lesefluss massiv stört. Zudem ist Readfy nur als App verfügbar, was langes Lesen auf dem Smartphone-Display anstrengend macht. Für kurze Pendelstrecken oder zum „Anlesen“ eines Titels ist es okay – für den gemütlichen Leseabend auf der Couch ist es eher eine Geduldsprobe.
Fazit: Welches Abo passt zu dir?
Das ideale Ebook-Abo gibt es nicht – es kommt ganz auf deine Hardware und deine Vorlieben an. Unabhängige Tests, wie die der Stiftung Warentest, bestätigen regelmäßig, dass die Wahl des Anbieters oft mit der Wahl des Geräts (Kindle vs. Tolino) steht und fällt.
Bevor du dich bindest, solltest du jedoch das Kleingedruckte prüfen. Viele Plattformen nutzen automatische Verlängerungen und erschweren die Kündigung. Die Verbraucherzentrale warnt hier regelmäßig vor undurchsichtigen Abo-Strukturen, die nach dem Probemonat teuer werden können.
Unsere Empfehlung:
- Für Sparfüchse: Nutze die Onleihe. Günstiger kommst du legal nicht an Ebooks.
- Für Genre-Fans: Wenn du Romance oder Thriller liebst, ist Kindle Unlimited trotz Preiserhöhung ungeschlagen.
- Für Anspruchsvolle: Willst du aktuelle Bestseller deutscher Verlage auf dem E-Reader, ist Skoobe die erste Wahl.
Ein Tipp zum Schluss: Nutze die Probemonate konsequent aus, aber setze dir direkt nach Abschluss eine Erinnerung für die Kündigung. So bleibst du flexibel und findest ohne finanzielles Risiko heraus, welche Bibliothek dein digitales Bücherregal am besten füllt.


